Das Experteninterview richtig vorbereiten


Das Experteninterview richtig vorbereiten
Die Entscheidung für ein Experteninterview ist sinnvoll, wenn der Absolvent sich für ein Thema entscheiden hat, zu dem die Recherchequellen nicht ausreichend sind. Grund kann sein, dass es sich um ein Randgebiet handelt, aber auch, dass das Thema noch so neu ist, dass es noch gar keine oder nur wenig Literatur gibt. 

Welche Formen von Experteninterviews gibt es?

Ein Experteninterview für die Bachelorarbeit muss sich nicht auf eine Person beschränken. Es ist auch möglich und sinnvoll, mehrere Experten zu befragen. Als Experteninterview kommen folgende Formen infrage: 
  • Unstrukturiertes Interview
  • Strukturiertes Interview
  • Semistrukturiertes Interview
Beim unstrukturierten Interview sind die Themen vorgegeben, die Fragen hingegen nicht. Der Ablauf erinnert an eine Unterhaltung, bei dem ein Gesprächspartner vor allem die Antworten liefert, der andere die Fragen stellt. Die Fragen können sich im Laufe der Unterhaltung erst ergeben. Trotzdem ist es wichtig, sich darauf gründlich vorzubereiten.

Die Vorteile sind:
  • Details können besprochen werden
  • Der Gesprächsverlauf ist frei
  • Viele neue Erkenntnisse sind möglich 
Der Nachteil ist, dass der Interviewer eine gewisse Spontanität mitbringen muss, um das Interview führen zu können. 
Beim strukturierten Interview sind die Inhalte der Fragen, deren Anzahl und Reihenfolge und die Möglichkeiten zu antworten weitgehend vorgegeben. Ein solches Interview eignet sich vor allem für Studierende, die auf möglichst umfangreiche Daten angewiesen sind. Ein typisches Beispiel ist die Umfrage mit einem Fragebogen. Bei einem solchen strukturierten Interview ist das Ziel, möglichst viele Personen zu befragen. Semistrukturierte Interviews werden zusammen mit den zu stellenden Fragen vorbereitet. Ein semistrukturiertes Interview wird auch als Leitfadeninterview bezeichnet. Die Antworten dabei sind offen. 


Die erste Vorbereitung für das Interview

Zunächst einmal stellt sich die Frage, wer als Interviewpartner in Frage kommt. Bestenfalls handelt es sich um eine anerkannte und gut bekannte Kapazität auf dem Gebiet. Als Maßstab gilt eine Berufserfahrung von mindestens 10 Jahren auf dem genannten Gebiet. 
Nicht jeder Experte ist aber bereit, sich einem Interview zu stellen. Anfragen werden dann eher mit den Worten abgewiesen, dass alle entscheidenden Standpunkte bereits veröffentlicht sind  und dem nichts hinzuzufügen sei. Dem lässt sich nur begegnen, indem der Interviewer Fragen stellt, die so noch nicht gestellt wurden. Das erhöht den Aufwand, wertet aber auch das Interview auf. Die akribische Vorbereitung ist hier umso aufwendiger. Für die Vorbereitung des Interviews empfiehlt sich Google Scholar. Der Interviewer muss wissen, womit sich der Experte bislang befasst hat und womit er sich gerade auseinandersetzt. Er sollte in der Lage sein, den Interviewpartner mit klugen Fragen zu überraschen. 


Leitfaden für die Fragen zum Interview

Der Leitfaden mit seinen Stichpunkten enthält die wichtigsten Fragen, sofern sie nicht schon vorher fixiert sind. 
Das Erfassen und Verstehen der Antworten, aber auch das Herausfiltern der entscheidenden Informationen ist für die Ausarbeitung des Interviews wichtig. Um schneller folgen zu können, empfiehlt es sich, die Antworten zu kodieren, also Oberbegriffe für die getätigten Aussagen zu finden. Bei Experteninterviews empfehlen sich hier die Fachtermini, über die der Experte gerade spricht. Die kodierten Begriffe dienen als Keywords. Der Leitfaden ist wichtig und hilft dem Interviewer, den roten Faden beizubehalten. Gerade bei dynamischen Interviews besteht die Gefahr, dass Interviewpartner oder Interviewer vom Thema abschweifen. Das ist zu vermeiden. 


Tipps für die Fragen

Die Fragen sollten möglichst knapp sein. Es gehört außerdem zum guten Ton, immer nur eine Frage zu stellen. Ausnahme ist, der Interviewpartner bittet um eine andere Vorgehensweise. Der Interviewpartner darf erwarten, dass ihm keine Fragen gestellt werden, die der Interviewer durch einfache Recherche selbst hätte beantworten können. Lediglich die erste Frage ist etwas lockerer zu stellen, um eine leichte Vertrautheit herzustellen.

Weitere Tipps
  1. Fragen ablesen ist nicht unprofessionell!
  2. Die Zahl der Fragen muss in den gesteckten Zeitrahmen passen
  3. Die Fragen dürfen nicht zu komplex sein
  4. Die Fragen müssen sinnvoll aufeinander aufbauen
  • Es ist wichtig, nachzufragen, wenn die Antworten unklar werden oder neue Fragen verursachen. Dazu ist es meist nicht nötig, intensiv darauf einzugehen, dennoch ist es wichtig, dass die Leser anschließend erkennen, dass dem Interviewer die offene Frage aufgefallen ist. 


Fehler beim Experteninterview vermeiden

Es gibt eine Reihe von Fehlern, die grundsätzlich bei Interviews zu vermeiden sind. Dazu gehört, dass sich aus dem Interview ein Gespräch entwickelt, das sich bei der Auswertung nicht mehr verwerten lässt. Sollte der Interviewer zum Beispiel mit dem Gesagten nicht einverstanden ist, kann er den Interviewpartner hinterfragen. Anschließend bleiben die Aussagen  aber für das Interview wie gesagt stehen

Zitate nicht vergessen

Zitate sind wichtig und werden in die spätere Auswertung eingearbeitet. Zitate werden schon im Interview wortwörtlich mitgeschrieben, um sie später angemessen wiederholen zu können. Zu viele Zitate sollten es aber nicht werden. Darüber hinaus muss der Interviewer darauf achten, dass er die Kernaussagen als Zitat erfasst und nicht etwa Nebensächlichkeiten. 


Die Auswertung des Interviews

Ist das Interview vorgesehen, um das Expertenwissen für eine wissenschaftliche Arbeit zu nutzen, ist besondere Vorbereitung gefragt. Interviews werden grundsätzlich früh nach dem Gespräch übertragen. Es kann immer vorkommen, dass eine Aufnahme an einer Stelle nicht gut verständlich ist oder eine Notiz unvollständig oder schlecht lesbar. Aus dem Gedächtnis lässt sich früh nach dem Interview noch so manche Lücke vervollständigen. Für die Auswertung des Experteninterviews empfiehlt sich die folgende Gliederung: 
  • Paraphrasieren
  • Thematisches Einordnen 
  • Vergleichen
  • Konzeptualisierung
  • Einbettung in den theoretischen Forschungsstand

Im Anschluss sollte die Auswertung des Experteninterviews mit einem Fazit enden, in dem die Resultate noch einmal zusammengefasst werden.