Wie schreibt man ein Abstract?


Wie schreibt man ein Abstract?
Ein Abstract ist eine Inhaltsangabe, die knapp gefasst ist. Im Abstract zu einer wissenschaftlichen Arbeit erfährt der Leser, um was es auf den folgenden Seiten geht. Ein Abstract soll dabei so interessant formuliert sein, dass der Leser auch motiviert ist, den gesamten Text zu lesen. 


Worauf ist beim Abstract zu achten?

Um ein Abstract korrekt zu formulieren, muss sich der Verfasser zuerst bewusst machen, wer die Leser sind. Sie sollen sich gezielt angesprochen fühlen. Allerdings ist übermäßige Motivation zu vermeiden, ganz besonders, wenn es sich um eine Masterarbeit oder eine Bachelorarbeit handelt. Die wissenschaftliche Sprache ist sachlich und nüchtern. Dazu erfährt der Leser, welche Methodik der Verfasser verwendet hat. Er erfährt aber auch, wie die zentrale Fragestellung lautet und welches Ziel die gesamte Arbeit hat. 


Vorbereitung nicht vernachlässigen

Ein guter Start ist, Arbeiten mit ähnlichem Schwerpunkt zu lesen und zu vergleichen, wie andere Studienabsolventen mit der Herausforderung des Abstracts umgegangen sind. Das eine oder andere Beispiel lässt sich fast immer gut übertragen und erleichtert die Vorbereitung. Dabei muss der Verfasser aber auch die Vorgaben der Universität und der Prüfungsordnung beachten. 


Wie lang darf ein Abstract sein?

Für gewöhnlich soll ein Abstract nicht länger als 150 bis 250 Wörter sein. Die Vorgaben können unterschiedlich streng sein. Das ist vorab zu klären. Ein Abstract für einen Fachbeitrag in einem Magazin kann sogar in der Wortanzahl begrenzt sein. Entscheidend ist aber auch hier der Inhalt. Der Verfasser muss darauf achten, dass die vorgegebene Wortzahl nicht etwa den Inhalt einschränkt. Es ist also wichtig, knapp zu formulieren und zwischen vermeidbaren Informationen und wichtigen Aussagen zu unterscheiden. Außerdem darf die Verständlichkeit nicht leiden. Für gewöhnlich trägt die begrenzte Wortvorgabe eher dazu bei, dass der Abstract verständlicher wird. 


Abstract ist zu lang, wie richtig kürzen?

Ist ein Abstract zu lang geworden, ist die Verlockung groß, die Länge so beizubehalten, ganz besonders, wenn der Verfasser den Eindruck hat, dass ihm der Text im Grunde gelungen ist. Hier hilft es, sich bewusst zu machen, dass er eben nicht korrekt ist. Er ist zu lang. Für das nachträgliche Kürzen empfiehlt es sich, den Abstract erneut nach Abschnitten zu trennen. Stehen die Abschnitte in einem vernünftigen Verhältnis zueinander? Gerade Textstellen, die dem Verfasser viel Spaß oder zu wichtigen Erkenntnissen gebracht haben, verlocken zu einer zu detaillierten Darstellung im Abstract. Hier ist oft noch Potenzial für Kürzungen. Im nächsten Schritt werden unnötige Füllwörter gestrichen. Der letzte Arbeitsgang beinhaltet die Aufgabe, die Abschnitte wieder zu einem flüssigen und schlüssig aufgebauten Text zu verbinden.


Abstract richtig aufbauen

Für ein Abstract sollte sich der Verfasser ausreichend Zeit nehmen. Wichtig sind folgende Punkte: 
  • Was ist die zentrale Frage?
  • Was war der Grund für die Fragestellung?
  • Welche empirische Basis ist die Grundlage für die Arbeit?
  • Welche Ergebnisse konnte der Verfasser schlussfolgern?
  • Welches neue Wissen resultiert aus der Arbeit?

Es empfiehlt sich, ein Abstract zunächst in Stichpunkten aufzubauen und ordentlich zu gliedern. Dann werden die einzelnen Fragestellungen und Aussagen definiert. Für die Gliederung des Abstracts empfiehlt es sich, die Gliederung der gesamten Arbeit hinzuzuziehen. Der Abstract wird damit zu einer kleinen Zusammenfassung der Arbeit, ohne ins Detail zu gehen. Der Leser weiß aber, was ihn inhaltlich erwartet und welche Zielsetzung der Verfasser hat. 


Tipps für das Schreiben des Abstracts

Der Abstract darf spannend formuliert sein. Da es die Schlussfolgerung enthält, gehört es zu den letzten Arbeitsschritten der Arbeit und ist Teil der Fertigstellung. Ein typischer Fehler ist, einige Teile aus dem Fazit in den Abstract zu übernehmen. Das ist nicht zulässig und führt zu Punktabzug. Auch Zitate aus anderen Teilen der Arbeit sollten sich nicht im Abstract wiederfinden. Das bedeutet, einzelne Inhalte dürfen und sollen übernommen werden. Die Wortwahl muss aber neu und den Vorgaben an den Abstract angepasst sein. Das ist arbeitsintensiv, ist aber Teil des wissenschaftlichen Arbeitens. Auch in späteren Veröffentlichungen wird sich der Verfasser kaum selbst zitieren können, sondern muss seine Erkenntnisse immer wieder neu in Worte fassen. 

Abstract ist kein Vorwort und keine Zusammenfassung

Ein Abstract ist ein eigenständiges Format für die Einleitung zu einem wissenschaftlichen Beitrag. Es unterhält also nicht nur und leitet den Leser zum Text weiter. Im Gegensatz zu einem unterhaltsamen Beitrag nimmt der Abstract das Ergebnis vorweg. Es fasst auch nicht einfach zusammen, worum es auf den folgenden Seiten geht. Entsprechend gehören Zitate eher nicht in den Abstract. Wörtliche Zitate sind aber erlaubt. Die Frage ist aber, ob sie sinnvoll sind. Sollten sich aus der Masterarbeit oder Bachelorarbeit offene Fragen ergeben, darf das im Abstract nicht erörtert werden. Ein Abstract darf durchaus Schlagwörter enthalten.


Abstract gegenlesen lassen

Der Prüfer und später auch weitere Leser werden zuerst den Abstract lesen. Jeder Verfasser einer wissenschaftlichen Arbeit sollte wollen, dass seine Erkenntnisse so bedeutungsvoll sind, dass sie später auch Beachtung finden. Das zeigt, dass die Masterarbeit vom ersten Wort an entsprechend präzise formuliert sein muss. Der Abstract liefert die nötigen Hinweise, ob der Leser auf den weiteren Seiten die Antworten auf offene Fragen findet. Nach dem Fertigstellen empfiehlt es sich deshalb, den Abstract, wie die gesamte Arbeit, kritisch gegenlesen zu lassen. 


Offene Fragen und nicht behandelte Themen

Konnten einzelne Fragen nicht beantwortet werden, gehören diese Fragen nicht in den Abstract. Das gilt natürlich auch für Inhalte, die in der Masterarbeit gar nicht behandelt werden. Auch deshalb darf der Abstract erst verfasst werden, wenn die eigentliche Arbeit abgeschlossen ist. Es empfiehlt sich beim abschließenden Lesen noch einmal alle Kernaussagen aus dem Abstract zu notieren und zu prüfen, ob sie vollständig in der Masterarbeit mit der gebotenen Schwerpunktsetzung abgehandelt wurden. Tauchen weitere wichtige Fragestellungen und Antworten auf, müssen diese Textstellen ebenfalls im Abstract Erwähnung finden.