Kumulative Dissertation – Aufbau und Tipps


Fokussiertes Notizbuch mit vielen Schulbüchern

Eine Doktorarbeit kann auf unterschiedliche Arten eingereicht werden. Nicht immer muss die Promotion durch eine hunderte Seiten starke Monografie, in der meist mehrere Jahre Arbeit stecken erfolgen. Zwar promovieren in Deutschland noch immer die meisten Studenten über diesen Weg, statt einer Monografie kann eine Dissertation aber auch in Form von mehreren eigenständigen Texten verfasst werden. Dies wird als kumulative Dissertation bezeichnet.


Monografie oder kumulative Dissertation?

Wer lieber an mehreren kleinen Projekten schreibt und ein Thema nicht in einem einzelnen umfangreichen Text abhandelt, der kann von den Vorteilen einer kumulativen Dissertation profitieren. Man kann eine kumulative Dissertation auch als eine Aufsatz-basierte Arbeit bezeichnen, hierbei werden einzelne Teilergebnisse bei renommierten Zeitschriften, Fachzeitschriften und Magazinen veröffentlicht. Am Schluss der Arbeit müssen alle Fachartikel thematisch miteinander verknüpft werden und in einen übergreifenden Kontext eingeordnet werden. 

Bei einer Monografie wird die gesamte Arbeit am Ende bei der Universität eingereicht. Bei einer kumulativen Dissertation hingegen müssen die einzelnen Fachartikel von den Redaktionen betreffender Zeitschriften angenommen werden, was je nach Anzahl der Artikel einen gewissen Aufwand darstellen kann. Es lohnt sich bei Professoren zu fragen, ob sie Kontakte zu entsprechenden Verlagen haben und bei der Veröffentlichung helfen können.

Alle Voraussetzungen und Vorteile im Überblick

Ob überhaupt die Möglichkeit besteht, eine Promotion in Form einer kumulativen Dissertation einzureichen, hängt in erster Linie von der Hochschule ab. Nicht jede Universität erlaubt dies in jedem Fach. Es gilt sich also zunächst einmal zu informieren, wie die Regelungen an der betreffenden Hochschule sind. Die genauen Voraussetzungen für die Zulassung zu einer kumulativen Dissertation lassen sich (sofern die Möglichkeit besteht) den Prüfungsordnungen des jeweiligen Studienfachs bzw. der Promotionsordnung entnehmen. Dort wird auch Anzahl und Art der anzufertigen Arbeiten geregelt. Abhängig von der Prüfungsordnung müssen in der Regel drei bis vier Fachartikel einzeln veröffentlicht werden. Grundvoraussetzung für eine Promotion im generellen ist ein abgeschlossenes Hochschulstudium (Diplom, Magister, Master oder Staatsexamen). Einige Hochschulen verlangen zudem Mindestnoten für die Zulassung zur Promotion. Die Vorteile einer kumulativen Dissertation im Überblick:

Weniger Schreibaufwand

Ein Fachartikel hat meist einen Umfang zwischen 15 und 30 DIN-A4-Seiten, die Ergebnisse werden kurz und exakt festgehalten. Im Gegensatz zu einer klassischen Monografie ist der Schreibaufwand bei einer kumulativen Dissertation in der Regel etwas geringer.

Arbeit kann besser verteilt werden

Die Schreibarbeit der Promotion verteilt sich bei einer kumulativen Dissertation nicht auf ein großes, sondern auf mehrere kleine Projekte. Die Aufteilung in mehrere Einheiten erleichtert vielen das Schreiben. Insbesondere Promovierende, die Probleme damit haben über einen längeren Zeitraum an einer Dissertation zu arbeiten können von der Aufteilung in kleinere Einheiten stark profitieren.

Kontakte zu Verlagen sind viel wert

Die meisten Professoren haben gute Kontakte zu Fachzeitschriften und Verlagen, da sie regelmäßig eigene Artikel veröffentlichen. Während der kumulativen Dissertation können so vielleicht erste eigene Kontakte mit entsprechenden Verlagen knüpfen.

Mehrere Veröffentlichungen dienen der Karriere

Teilergebnisse aus Forschungsprojekten können der Scientific Community schon während des Forschungsprozesses zugänglich gemacht werden und müssen nicht jahrelang auf eine Veröffentlichung warten. Ein veröffentlichter Artikel kann zudem einen großen Motivationsschub geben.
Zwar kann auch eine Monografie veröffentlicht werden, durch das Einreichen von mehreren Fachartikeln bei Verlagen kann man aber nicht nur eine, sondern bereits mehrere Veröffentlichungen vorweisen, sobald man die Universität verlässt. Dies kann einer Karriere durchaus förderlich sein.

Checkliste: Kumulative Dissertation

Es ist wichtig, dass alle wichtigen Fragen bereits im Vorfeld der Arbeit geklärt sind. Insbesondere die Vorgaben der Hochschule und der Verlage sind hier zu berücksichtigen. Des Weiteren kann man sich an folgender Checkliste orientieren:

  • Wie viele Fachartikel müssen veröffentlicht werden und welchen Umfang müssen diese haben?
  • Es ist sinnvoll schon frühzeitig nach geeigneten Fachzeitschriften zu suchen und sich mit den jeweiligen Einreich-Bedingungen vertraut zu machen. Gibt es diesbezüglich Empfehlungen vom jeweiligen Lehrstuhl?
  • An bereits veröffentlichten Fachartikeln kann man sich bezüglich Struktur und Umfang der Arbeit orientieren.
  • Sofern in der Dissertation vollständige Zeitungsartikel oder andere Publikationen enthält oder enthalten soll, müssen verschiedene Urheberrechtliche Aspekte geklärt werden. Etwaige Regelungen finden sich im jeweiligen Verlagsvertrag.
  • Das Arbeiten mit Co-Autoren erleichtert die Arbeit zwar, es kann jedoch sein, dass die Prüfungsordnung vorschreibt, dass mit Co-Autoren geschriebene Artikel nicht für die kumulative Dissertation zugelassen sind. Sofern es erlaubt ist, müssen etwaige Co-Autoren einer Zweitveröffentlichung schriftlich zustimmen.
  • Sofern die Arbeit in englischer Sprache und in internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht wird, erhöht sich die wissenschaftliche Reichweite enorm.

  • Fazit

    Eine kumulative Dissertation ist prinzipiell nicht schneller oder mit weniger Aufwand verbunden als eine monografische Arbeit. Je nach Thema und der persönlichen Situation kann sie aber durchaus Vorteile für den Promovierenden haben. Fortschritte in der Wissenschaft sind häufig nur durch den globalen Austausch von Forschungsergebnissen möglich. In der immer schnelllebigeren Zeit ist eine kumulative Dissertation daher in vielen Fällen die bessere Alternative. Die Entscheidung für oder gegen eine kumulative Dissertation sollte möglichst frühzeitig getroffen werden. Insbesondere die Abgabefristen bei den Verlagen stellen hinsichtlich der zeitlichen Planung eine zusätzliche Herausforderung dar.